Bau von Trinkwasserbrunnen

„Wasser ist Leben“ – das war der Grundgedanke bei unserer Vereinsgründung, die zum Ziel hatte, den Menschen auf dem Land sauberes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen.

Wir werden oft gefragt, ob wir von Dorf zu Dorf gehen und erkunden, ob die Bewohner einen Brunnen gebaut bekommen möchten. Das ist natürlich so nicht der Fall. Die Menschen würden dies immer bejahen, da ein Geschenk aus reiner Höflichkeit angenommen wird.

Wir bauen einen Brunnen, wenn der Wunsch von einer Dorfgemeinschaft an uns herangetragen wird und alle Rahmenbedingungen für das Projekt erfüllt sind.

Bevor mit dem Bau eines Brunnens begonnen werden kann, muss die Standortfrage geklärt werden. Bis vor einigen Jahren suchte Frère Mathieu, ein Mönch aus dem Kloster Keur Moussa, mit einer Wünschelrute und einem Pendel nach geeigneten Stellen, an denen es Wasservorkommen gibt. Den Zweiflern sei gesagt, dass mit dieser Methode über 90% der Standorte erfolgreich festgelegt werden konnten. Bei Sandboden war die Trefferquote fast 100%, bei felsigem Boden irrte sich der Mönch manchmal mit der erforderlichen Brunnentiefe.

Nachdem der Mönch vor einigen Jahren gestorben war, fanden wir einen Brunnenbauer, der zwar mit elektronischen Messgeräten, aber auch noch mit Rute und Pendel arbeitet.

Sobald der Standort feststeht, beginnen die Ausgrabarbeiten. Zunächst wird von Hand eine runde 100 cm tiefe Grube mit 200cm Durchmesser gegraben. Darin wird eine Metallschalung von 180 cm Durchmesser angebracht und in den 20 cm breiten Zwischenraum wird Beton gegossen. Sobald der Beton fest ist, wird die Schalung abgenommen und es sieht so aus, als wäre ein Ring eingelegt worden. Darauf erfolgt wiederum eine Grabung von einem Meter Tiefe und der zweite Betonring wird gegossen. So wird Meter für Meter vorgegangen, bis man gewöhnlich in etwa 30 Meter Tiefe auf das erhoffte Oberflächenwasser stößt, das während der Regenzeit in der Erde versickert war.

Da eine Grabung von Hand im Wasser nicht mehr möglich ist, kommt darauf ein spezieller Bagger zum Einsatz, mit dem nochmals sechs bis acht Meter tief gegraben wird, um auch in der Trockenzeit Wasser zu haben.

Vorgefertigte Ringe mit seitlichen Bohrlöchern und einem Bodenring werden zum Abschluss eingebaut, damit das Wasser von allen Seiten in den Schacht einfließen kann.

Der obere Brunnenrand wird auf eine Höhe von ca. einem Meter gemauert und ein Quergestänge  wird angebracht, auf das Rollen montiert werden, damit das Wasser mittels Flaschenzug von Hand nach oben gefördert werden kann. Da diese beschwerliche Arbeit in Afrika traditionell Aufgabe der Frauen ist, werden wir künftig dazu übergehen, handbetriebene Pumpen mit Rädern bzw. Hebeln zur Arbeitserleichterung einzubauen.

Am Ende werden die Brunnen zum Schutz der Kinder und gegen Verunreinigungen mit einer Abdeckung versehen, die zum Wasserholen abgenommen werden kann.

Anfangs beauftragten wir Privatleute mit dem Brunnenbau, die sich jedoch oft als unzuverlässig erwiesen, was zu Terminverschiebungen und Ärger führte. Seit zehn Jahren arbeiten wir mit speziellen Baufirmen, die uns qualifizierte Brunnenbauer stellen und die Arbeit in kürzerer Zeit und oft kostengünstiger erledigen. Ein solcher traditioneller Brunnen mit ca. 25 Meter Tiefe kostet bei Sandboden ca. 5000 €. Muss wegen felsigem Untergrund mit dem Kompressor gearbeitet werden, wird es natürlich teurer.

Seit unserer Vereinsgründung haben wir mehr als 75 traditionelle Trinkwasserbrunnen für ca. 50.000 Menschen gebaut.

 

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